Meine Disco Zeitreise durch die 70er - 80er und 90er.

 

KAPITEL 1

Der Weg in die Disco.

 

 

Meine ersten Disco Besuche begannen 1978 im LaPalma und im Tessin Delmenhorst. Ab 1979 war ich dann relativ oft im ALADIN Bremen. Hier legte damals Nobert das Urgestein von DJ auf. Stop! Er legte gar keine Platten auf, da im Aladin damals die Mucke

von der Musik Kassette kam. Hatte ich vorher auch nicht nicht gesehen. Ich kann mich noch an die Dual Toplader erinneren.

Die Musik im Aladin war damals einzigartig und etwas vergleichbares gab es maximal im Renaissance in Oldenburg.

 

 Im Sommer 1980 machten wir Urlaub in Benidorm (Spain) und hier

entdeckten wir durch Zufall die noble und sehr große Diskothek

" CAP 3000". (Wurde später das berühmte PACHA mit den

beiden Kirschen im Logo) Das CAP 3000 lag an

einer Hauptstraße kurz vor Benedorm und

sah von außen aus wie ein UFO. Einfach

hammermäßig.

  

 

Hier standen drei Jungs auf der Disco und ich wurde neugierig was

die denn zu dritt da trieben. Ein Spanier machte hin und wieder

mal eine Ansage, ein blonder legte die Scheiben auf und war

am Mixen und der dritte im Bunde war der Lightjockey.

Ich kann mich noch an die Gibson Brother`s mit Cuba

erinneren und mein Disco Fieber war entfacht.

 

Kapital 2

 Bremer Diskotheken im Jahre 1980.  

 

Wieder in Bremen angekommen ging es wieder in das Aladin aber man ging auch auf die Suche nach einem Disco Club in dem man evtl. mal die Studio 54 Musik zu hören bekam. Leider bekam ich ja durch den Spanien Urlaub die Eröffnung des INFINITY`s damals nicht mit. Das Display am Liebfrauen Kirchhof, das Starship, das Red Ballonn, das Maddox, das Filou, die Hopfengasse uvm, alles wurde genaustens untersucht, aber nein etwas vergleichbares mit dem CAP 3000 in Benidorm konnte ich einfach nicht finden. Es wurde November im Jahre 1980. Wir waren wie so oft wieder einmal im Aladin in Hemelingen. Allerdings war an diesem Abend nicht sehr viel los und von der Musik war es auch an dem Abend nicht so unser Ding. Mein damaliger Kumpel meinte er hätte gehört das in Emtinghausen vor den Toren Bremens eine neue große super Disco eröffnet hätte. Holla, der Abend war vermutlich gerettet und wir machten uns auf den Weg. Nur wo lag Emtinghausen ? Wir waren beide der Meinung muss irgendwo hinter Weyhe liegen, Wir fuhren in Hemelingen auf die Autobahn und gleich die Abfahrt Weyhe wieder runter. Wir waren somit dachten wir erst einmal auf dem richtigen Weg. Hinter Dreye wurde es schon recht dunkel (Also hier ist gemeint das es keine Häuser mehr zu sehen gab) und man war sich auch gar nicht mehr so sicher ob wir auch richtig sind. Wer denkt, mal eben auf das Handy, oder das Navi schaun zu können liegt leider auf dem Holzweg. Gab es damals nicht.

 

Aber wir wollten nicht aufgeben und da hin und wieder ein Auto an uns vorbeifuhr und das auch noch nach jungen Leuten aussah, fuhren wir auch ohne den Gedanken Aufgeben zu wollen in diese Richtung weiter. An den nächste Ort kann ich mich noch heute erinnern. Das war Riede und ab hier konnte ich mir eigentlich kaum noch vorstellen das wir hier noch etwas finden sollten. Aber da immer mehr Autos um diese Zeit (Muss so 22:00 gewesen sein) in diese Richtung fuhren, gaben wir natürlich auch nicht auf. Nach einiger Zeit tauchte dann auch an einem kalten November Abend das Ortsschild von Emtinghausen auf. Schon am Ortseingang parkten die Autos auf beiden Seiten an der Straße. So ging es dann auch durch ganz Emtinghausen weiter. Es war kaum noch eine freie Fläche im Ort zu finden. Ganz am Ende von Emtinghausen fanden wir dann doch eine Lücke und wir kamen unserem Ziel so langsam näher. Also zu Fuß wieder zurück bis zum Parkplatz.

 

Aber hier traf uns dann der nächste Schlag. Eine riesen Schlange vor dem Eingang und alle waren auch noch ziemlich gut angezogen. Ach du Kacke dachten wir. Jeans Hose, Jeans Jacke und Cowboy Stiefel und das alles nicht das neueste. Nach ja, eigentlich war ja auch Aladin angesagt. Aber geduldig warteten wir in der Schlange und so langsam näherten wir und dem Eingang. Die ersten Musik Bruchstücke waren zu hören, und je näher wir kamen um so hammerhärter wurde der Bass. Ich ahnte so langsam was da Musiktechnisch auf uns zukam!      Yes !!!! Der Sound aus dem Cap 3000, nein Studio 54, also der US Disco Sound, den ich gesucht hatte. Aber wir waren ja immer noch nicht in den heiligen Hallen angekommen. Nun gab es nur noch eine Hürde. Ein gutaussehende junge Dame die aber auch einen gnadenlosen Blick von sich gab. Neben ihr einige gut angezogene Türsteher. Nun waren wir endlich dran, aber am liebsten wäre wir auch wieder gegangen. Die

Vorstellung das wir gleich eine Abfuhr bekommen sollten war einfach unerträglich. Ich dachte lasse uns wieder gehen und in der nächsten

Kneipe ein Bier trinken.

 

 

 Kapitel 3.

 Das erste Mal im Infinity.

 

Noch zwei Typen im Lacoste Polohemd und geschmeidigen Popperschnitt vor uns und nun waren wir dran. Die junge Empfangsdame verdrehte leicht die Augen und meinte bitte nicht noch mal in solchen Klamotten. Heute weiß  ich das diese junge Dame Giesela S. gewesen sein muss. Danke Gisela das du uns rein gelassen hast. Ja ja ja ja ja wir waren an der Kasse. Wir bekamen eine seltsame Lochkarte und wenn ich mich noch recht erinnere stand da ein Guthaben von 50 DM drauf. Man erklärte uns wie man mit der Karte umgehen muss. Die Summe vom Getränk wurde gelocht und am Ausgang musste man dann die Gesamtsumme bezahlen. Wenn man die Karte verlieren würde, waren 50 DM fällig. Auweia dachte ich.

 

Aber egal, nun rein in die heilige Halle. Mit Blick auf den Durchgang zur Main hall war gleich auf der linken Seite die Kasse für den Ausgang. Gleich dahinter kam der Eingang von einem kleinen Restaurant (Später Imbiss). Dahinter war, was ich aber natürlich noch nicht wusste, die Küche und auf der linken Seite hinter der Küche die Treppe in den Keller. Hier lag das das Getränkelager und das Büro von den Chiefs. Auf der rechten Seite im Eingangsbereich war die Garderobe und gleich dahinter der Durchgang zu den WC`s. Es war überall proppenvoll und wir mussten uns mit massiven Kräften weiter durchkämpfen. Nach dem Durchgang konnte man entweder rechts oder auch links weiter gehen. Wir entschieden für die linke Seite und kamen hinter einer sehr großen Bar heraus. (Das war die Eins). Überall Spiegel und Sitzecken vom feinsten.

 

Weiter auf der linken Seite an der Bar vorbei folgte dann auch gleich die nächste. Hier standen viele bunte Flaschen vor einem riesigen Spiegel und man konnte erahnen, das es sich hier um eine extra Cocktail Bar handelte. Nun standen wir schon mitten im Geschehen. Das Infinity war brechend voll. Wir sahen Kellner im dunklen Anzug und mit Fliege und jeder Gast schien irgendwie ein VIP zu sein. Der Sound war der Hammer.  So etwas hatte ich noch nie gehört. So saubere Bässe und Höhen und das in einer Lautstärke, das es einem fast die Luft wegnahm. Es war einfach unbeschreiblich und diese ganzen optischen Emotionen waren in dem Moment auch überhaupt nicht aufzunehmen. Sprich von der Lichtanlage hatte ich so richtig noch gar keine Notiz genommen. Es lief gerade ein Stück was ich noch nie gehört hatte. Nur Beat und ich hatte das Gefühl als wenn diese Maxi gar nicht enden wollte. Man meinte diese lief schon  25 Minuten.

 

So langsam kam zu dem Beat ein Bass dazu und das Lied steigerte sich immer weiter, bis dann der Schlachtruf in dem Lied kam: "Dancer". Diese Scheibe musste ich einfach haben. Aber wer war das. So langsam nahm ich dann auch die Lichtanlage auf. Zu dem hammerharte Bass blitzen da die Neonröhren und Strobos von der Decke. Aus der Bühne kam der Nebel und wenn man nach oben schaute dachte man,

man ist in einer anderen Welt. Vermutlich bekam ich den Mund gar nicht wieder zu. Aber das war ja auch nur gefühlt so. Hinter der Cocktail Bar kam die erste Wendeltreppe die nach oben auf die Galerie führte. Also ab nach oben und mal schauen was da noch so zu erkunden war.

Auch hier oben gab es viele versteckte Ecken und auch noch weitere Bars.

 

Von hier hatte man einen klasse Ausblick. Wenn man denn an die Balustrade kam. Die war nämlich sehr begehrt und man fand kaum einen freien Platz zum Schauen. Irgendwann hatten wir aber unseren Platz und nun konnte ich endlich alles einmal in Ruhe erkunden. Unter uns die DJ Station. Da ich damals schon ein HIFI Fetischist war, erkannte ich sofort was sich da unten bei dem DJ`s drehte. Drei mega teure und für mich unerschwingliche Thorens Plattenspieler der Sorte Hi End. Ich musste dann noch einmal Zählen. Es waren wirklich drei von diesen edlen Teilen. Das hatte ich auch noch nie gesehen. Nun nahm ich auch so langsam auf das inzwischen schon die nächste Scheibe lief. Aber wo war der Übergang und die so typische Ansage aus den anderen Discotheken geblieben. Äh, gab es hier nicht. Eine Stunde wurde gemixt 

ohne das man so wirklich einen Übergang hörte. Es lief die zweite Hammer Scheiben nach Gino Soccio und das war Kano - The War. Es ging

dann noch ca. so eine Stunde so weiter und dann kam ein Break. Musik aus und man hörte nur noch das Publikum murmeln.

 

Alles war dunkel und dann donnerte "Radar Love" mit viel Nebel und einer wahnsinnigen Lichtexplosion aus den Boxen. Das Publikum tobte und man dachte mehr geht nicht. Nach Radar Love ging es weiter mit der geilen US Disco Mucke und der Beat steigerte sich so langsam von 120 auf 130 BPM. Jedes Stück irgendwie magisch und ohne das wir es auch nur im geringsten kannten. Mein Favorit an diesem Abend und ich kannte es natürlich auch nicht, war ein Instrumental Stück was auch einen hammerharten Beat hatte. Eine Lichtshow dazu die vermutlich vorher noch keiner gesehen hatte. Später habe ich dann heraus bekommen das dieses Stück von der Gruppe Katmandu war. Viele von den nur im Infinity zu hörenden Platten konnte ich dann später in Amsterdam oder auf Ibiza ergattern. Auch fuhren wir zum Platten Kaufen nach Hamburg. In Bremen war da kaum etwas zu bekommen. Nur der rothaarige Verkäufer und er war da schon etwas Besonderes, in der "Schallplatte" konnte viele  Scheiben beim Vorsummen schon erkennen.

 

Weiter mit Blick auf die Disco dachte man, man schaut in ein Raumschiff Cockpit. Bei dem Lightjockey blinkte und blitze alles und in der Mitte zwischen ihm und dem DJ war doch tatsächlich eine Nakamichi Tape Deck eingebaut. Ich hätte heulen können. Das war mein Traum, aber zu der Zeit damals unerschwinglich. Der LJ war ein Könner seiner Art. Das Licht ging in die Musik über und andersrum genauso. Mit seinen Händen bediente er ein Touchboard mit roten beleuchteten Tasten und man dachte es wäre Zauberei. Nun nahm ich mir die Zeit und versuchte einmal die ganzen Lichteffekte aufzunehmen die da so an der Decke und an den Seiten hingen.

 

Ich versuche mich einmal zu erinnern was da so alles an Lichteffekten von Circuit Design verbaut war. (Fachbegriffe ?) In der Mitte der Tanzfläche hing eine ca. 6 Meter lange Walze die sich um die eigene Achse dreht und die mit ca. 20 Spots auf jeder Seite die mit unterschiedlichen Farbe bestückt waren. Dies konnte man per Schalter an/aus schalten oder auf das Sensor Board legen. Dann gab es die beiden sehr großen drehbaren und langsam laufenden  Karussells vorn und hinten über der Tanzfläche. Dies waren je mit vier großen Spots und den überdimensionalen Polizeileuchten bestückt. Alles konnte auch wieder über das Schaltpult und alternativ über das Sensor Bord gesteuert werden. An der Decke gab es diverse Spots die sich drehten und kleinere, ca. mit einen Meter Durchmesser Karussells auch mit diverse Spots bestückt. Dann waren über die Äußeren Außenlinien der Tanzfläche  oben an der Decke ca. Hundert feststehende Spots in Weiß und Grün angebracht. Diese konnte man wieder über das Sensor Bord per Hand ansteuern oder auch per Automatik Steuerung per Effekt laufen lassen. Später wurde dann für diese Spots eine kleine zusätzliche Klaviertastatur eingebaut. An jeder Ecke oben der Decke und an den Seiten hingen diverse Schwenk Spots in verschiedenen Farben. Dann gab es natürlich noch die großen Spiegelkugeln die auch über diverse Spots mit verschiedenen Farben angestrahlt werden konnten. Es gab zwei Arten von Strobo Effekten unter der Decke. Einmal die großen Strobos die von vorne nach hinten unter der Decke über der Tanzfläche hingen und die kleinen die wie Mikrofone aussahen und an Leitungen von der Decke hingen. Beide waren sehr kompliziert anzusteuern. Für die Großen gab es auf der rechten LJ Seite eine Steuerbox mit einem Schalter und einen Drehregler. Für die kleinen gab es nur einen Schalter und diese liefen auch nur mit einer großen Verzögerung an. Bei einem Break in einem Song, musste man rechnen und diese schon 3 Sekunden vorher einschalten. Ohne Mathe ging da für den LJ nichts. Dann gab es noch auf jeder Seite oben an der Balustrade die riesen Spots in Magenta. Diese konnte man auch wieder auf die Automatik oder auf das Sensor Bord legen. Weiter hingen noch große Spots unter der Decke und über der Bühne. Auch alles nach Wahl ansteuerbar. Das non plus Ultra waren aber die teilweise in rund gefertigten Neon Röhren aus den USA. Da gab es diverse Forme unter der Decke und wer sich auskennt weiß auch das die rund gefertigten richtig richtig teuer waren. Diese konnte man dann entweder auf eine Automatik Steuerung oder auf das Sensor Bord legen. Man musste also bei jeder Scheibe schon vorab wissen was man machen wollte. Nach einem Jahr hatte man sich dann so langsam als LJ eingearbeitet.

 

Unter der Bühne gab es dann och die Nebelmaschine. Auf der Disco gab es im Boden eine Klappe und hier konnte man um den Kanister zu tauschen runterkrabbeln. Die Nebelmaschine mit der Flüssigkeit kam aber erst später. In den ersten Jahre stand da noch die Parade Nebelmaschine mit Trockeneis. Da kroch der noch  Nebel langsam über den Boden und die Treppenstufen hoch. Etwas Besseres gab es dann nie wieder. der Betrieb mit Trockeneis wurde dann aber irgendwann verboten. Die ganze Technik für die Lichtanlage war hinter der Disco neben der Garderobe im E-Raum platziert. Hier in einer E-Verteilung saßen auch die ganzen Solid State Relais für die Last der einzelnen Lichteffekte. Und dann natürlich in der damaligen Zeit tonnenweise E-Leitungen die von dem E-Raum in die Decke gingen.

PS: Die Ganzen Details kommen aber natürlich aus meiner Zeit als Lightjockey. Dazu aber später in einem anderen Kapitel.

 

Irgendwann und ich kann heute gar nicht mehr sagen wann das genau war, denn der Laden war immer noch knacke voll, machten wir uns zufrieden auf den Nachhausweg. Beim Hinausgehen hörte ich dann noch den Anfang von Destination - Move On Up und ich summte es dann noch die ganze Woche vor mir hin.  Ich hatte also meine Lieblings Disco gefunden und mit den Besuchen im Infinity sollte es dann in den nächsten Monaten auch erst einmal so weiter gehen. Also Samstags ins Infinity. Die guten Scheiben möglichst merken und dann  am Montag dem Plattenverkäufer vor Summen. Hin und wieder hat es dann mit einer seltenen Scheibe die sich über den Export nach Bremen verirrt hatte geklappt.

 

Nun kam aber noch die Gretchenfrage: Wo wollte ich lieber Anfangen! Im Aladin oder im Infinity. Nach kurzer Zeit verwarf ich diese Frage aber wieder. In beiden Läden war es damals ohne die richtigen Kontakte unmöglich gewesen ranzukommen. Also...…...erst einmal Abwarten

und schauen wie man weiter kommt.

 

 

Kapitel 4.

Musikverrückter trifft Musikverrückten. Oder DJ trifft seinen LJ.

 

Anfang der 80er lernte ich dann auch durch einen reinen Zufall Michael Gold in Bremen Huchting kennen. Irgendwie war er auf einmal da und nach einem ersten Beschnuppern freundeten wir uns schnell miteinander an. Denn eins was wir sehr schnell merkten hatten wir absolut gemeinsam: Musik, Discos, Musik und nochmal Discos. Ich hatte hier aber immer noch keine Kontakte zu irgendeinen Laden, aber Michael landete und ich kann gar nicht mehr sagen wie, ziemlich schnell in unserer Stadtteildisco namens "Musikladen". Der erste Schritt war getan. Durch Michael konnte ich mir Maxis aus dem Laden ausleihen und auch hin und wieder mal an den Reglern drehen. Michael hatte schon damals ein riesen Talent: Er hatte eine Mörder Gute Microfonstimme und wusste auch damit umzugehen. Bingo !

Wir verbrachten also unsere Zeit damit gute Maxis zu sammeln und Discotheken zu erkunden. 

 

 

Kapitel 5.

Der Weg zum DJ und besten Dank an Matze.

 

Mein Kumpel Matze hatte damals einen Arbeitskollegen der irgendwo für eine Firma als DJ auflegte und da so langsam aus Zeitgründen aufhören wollte. Matze fragte mich weil er vermutlich das Ganze auch nicht alleine antreten wollte, ob ich nicht Lust hätte mit einzusteigen.

Ja alles klar dachte ich, machen wir. Ohne zu wissen was da richtig auf uns zukam fuhr ich also damals an einen Freitag Abend mit Matze seinem Kollegen in die Nähe von Sulingen wo es eine Veranstaltungshalle gab. Die Halle war gar nicht so klein, hatte eine große Bühne und eine riesen Theke. Ich vermute das so an 800 Gäste hineinpassten. Dann natürlich auch eine kleine Ernüchterung für mich. Es gab nur wenige Strahler, eine Spiegelkugel und noch einige andere kleinere Licht Utensilien, einen Tisch auf dem ein einfaches Mischpult und zwei Grotten schlechte Plattenspieler standen. So Marke Dual von Horten. Maximale Einstellung war 33, 45 und vermutlich auch noch 78. Bei dem rechten Plattenspieler löste sich immer der Antriebsriemen wenn man von 33 auf 45 umstellte. Da wir aber auch fast nur mit Singles arbeiteten, hatte man auch nicht viel Zeit den Riemen wieder an zu basteln. Plattenteller abnehmen, zur Seite legen, Riemen wieder aufziehen und den Plattenteller wieder richtig auflegen und mit Schweiß auf der Stirn war man dann wieder startklar. Das Mischpult hatte auch keinen Kopfhöreranschluss. Egal ! Wir waren ja flexibel. Viele Scheiben hatte wir auch nicht und somit mussten wir auch noch unsere privaten Bestände mitnehmen. Wir durften dann immer jede Woche 5 Singles bei Karstadt kaufen. Mehr war nicht drin.

 

Die Hütte wurde an dem Abend immer voller und voller und platze fast aus allen Nähten. Nicht schlecht dachte ich! Aber Musiktechnisch war das an den Freitagen natürlich auch nicht mein Highlight. Damals kam gerade so die Deutsche Welle in die Charts und die mussten wir dann auch fast den ganzen Abend spielen. Klar ein Earth, Wind & Fire oder ein Ladies Night ging auch immer. Aber mit Mixen war da nix.

Kein Kopfhörer, kein Pitch und kaum Maxis. Aber egal, wir hatten die Bude voll und die Tanzfläche kochte eigentlich jeden Abend. Leider stieg auch der Alkohol Pegel dort auf dem Dorfe in den Abendstunden ganz schnell und die Gäste flippten teilweise völlig aus. Teilweise mussten wir dann zu Feierabend den Hinterausgang nutzen weil irgendein besoffener früh morgens immer noch mal Nena hören wollte.

So ging das dann die nächsten zwei Jahre jeden Freitag weiter. Freitag Nachmittags das Auto mit dem Mischpult und den Verstärkern laden und das alles irgendwie noch in meinen kleinen Alfa Romeo stopfen und dann ab Richtung Sulingen.

 

Das komplette erste Jahr teilte ich mir den Job noch mit meinem alten Kumpel Matze, der aber nach 12 Monaten auch nicht mehr so den richtigen Bock hatte. Das zweite Jahr kam dann mein Kumpel Michael mit, da sich der Job im Musikladen Bremen auch inzwischen erledigt hatte. Hier begann im Prinzip unsere gemeinsame Disco Tätigkeit die auch noch so um die nächsten 10 Jahre so weiter gehen sollte. Aber das wussten wir damals natürlich noch nicht. Übrings Geldtechnisch war das natürlich auch kein Highlight. Man mag es heute kaum glauben, aber wir bekamen jeder für den Abend 50 DM. Ja richtig gehört! 50 DM. Aber das war mir damals eigentlich auch nicht so ganz wichtig. Wichtig war das ich im Disco Geschäft angekommen war und meine ersten Erfahrungen sammeln konnte.

 

Kapitel 6.

Weiter geht`s im Beschallungsgeschäft

 

Inzwischen hatte ich auch meinen Chef von dieser Firma besser kennen gelernt und diese Firma war ein ein damals nicht ganz unbekanntes Beschallungsunternehmen aus Bremen Nord. PB Box mit den grünen LKWs und unser Chef war ein ganz Verrückter aber auch ganz netter

Typ, namens Reinhard Kuhlmann. Da er immer mehr zu tun bekam, fragte er immer wieder bei uns an ob wir noch mehr Zeit hätten. Er war zwar vom Gehalt immer noch ein Geizhals, aber ich hatte ja meinen normalen Job auch noch immer nebenbei. Michael und ich dampften also von Schützenfest zu Schützenfest und wir waren inzwischen im ganzen Norden unterwegs. Michael bekam dann irgendwann aber wieder eine Anfrage aus einem Bremer Club und war dann auch nicht mehr ganz so oft dabei. Ich war weiter mit den Jungs von PB Box unterwegs die inzwischen auch einen Rahmenvertrag mit der SPD im Norden hatten. Das bedeutet wir waren bei sehr vielen SPD Veranstaltungen im ganzen Norden mit dabei und lieferten die komplette Bühnen, Licht und Soundtechnik und mischten die Veranstaltung auch mit ab. 

 

Da es auch immer wieder Bandauftritte oder Discoveranstaltungen bei diesen Events gab, übernahmen wir das auch gleich mit. Meinegrößte Veranstaltung war damals ein Open Air in Duisburg. Eine riesen freie Fläche mit zwei großen Bühnen und Betrieb von morgend bis in die Nacht. Jeder der sich mit der Beschallungs- und Lichttechnik aus der Anfang der 80er auskennt weiß was wir damals für Sound und E-Leitungen verlegen mussten. Muskelkater inklusive! Es gab dann noch zwei sehr besondere Veranstaltungen die ich niemals wieder vergessen werde. Das erste war eine Privat Party im Villenviertel von Oberneuland. Mächtige Villa mit einem Park als Garten und ich wusste von nix. Mein Chief sagte damals: Ziehe dich gut an! Das ist eine VIP Party. 

 

Kapitel 6a.

Willy Brandt und Hans-Dietrisch Genscher tanzt einen Tango

 

Das da nur Gäste in dem Alter meiner Eltern und als Ehrengast auch unser Außenminister Hans-Dietrich Genscher war, sagte mir natürlich vorher keiner. Auweia.......dachte ich an dem Abend. Das geht bestimmt in die Hose. Und so war es dann auch. Ich stand mit meiner Anlage draußen im Garten unter einen Pavillon mit Tanzfläche und das Wetter war an diesem Sommerabend auch nicht so doll.  Die Gäste tummelten sich alle in dem gefühlten 400qm großen Wohnbereich in der Villa und ich stand da draußen fast allein. Gott sei dank hatten viele ihre jugendlichen Kinder im Anzug und Abendkleid mitgebracht und ich hatte dann doch noch so 30 Peoples auf der Tanzfläche.

Charts, Funk und Disco alles ging bei den Jugendlichen wo die Jungs sich inzwischen auch die Krawatte entlegt hatten. Die machten richtig Party ohne die Alten. Achtung! Bis auf das Hans-Dietrich Genscher über eine Boten bestellen ließ das er gerne noch einen Tango tanzen wolle. Acht du Kacke dachte ich. So ne Mucke hast de gar nicht. Aber man war wieder erfinderisch und ich wusste das der Disco Klassiker "In The Name Of Love" von Sharon Reed einen Tango Beat hatte. Und ich hatte auch noch die Maxi dabei. So tanzte also unser großer Politiker, Hans-Dietrich Genscher zu meiner Maxi einen Tango. Nur schade das ich damals nie einen Fotoapparat dabei hatte.

 

Willy Brandt und Hans-Joachim Vogel, damals zwei wirkliche Größen in der Politik lernte ich in Heide kennen. Damals war Landtagswahlkampf in SH und wir stellten zu zwei Events wieder die Technik. Bei dem ersten Event viel am Abend immer eine Sicherung von dem Zeltbauer aus und wir standen an dem Abend regelmäßig im dunkeln. Da ich ja auch elektrotechnisch fachkundig war, zog ich also Stecker für Stecker von unserer Technik heraus, aber die Sicherung viel immer noch raus. Lag also am Zeltbauer. In diesem Moment wo ich nun  gerade einen Stecker in der Hand hatte, kam Hans-Jochen Vogel von der Bühne zu mir und fragte wie die Lage ist. Ich antwortete das es Probleme mit der Spannungsversorgung geben würde und das daher im Moment kein Licht funktionierte. Er meinte und ich werde es auch nie vergessen! Kann ja auch nicht gehen, Sie haben ja den Stecker in der Hand. Splash Splash. Naja, er war ja auch nur Politiker.

 

Nun aber zu einem der größten Politikern Deutschlands und gleichzeitig ein Zappelphillip hoch drei. Willy Brandt! Ich hätte auch nie im Leben geglaubt das ich einmal einen Bundeskanzler (Willy Brandt 1969 - 1974) treffe und ihm das Micro einstellen. Es war die zweite Veranstaltung der SPD und diesmal in Heide. Wir fuhren gleich von dem ersten Event weiter nach Heide und mitten in der Innenstadt war auch schon das Veranstaltungszelt aufgebaut. Also Anlage raus aus dem LKW und wieder alles Aufbauen und verkabeln. Wir wussten schon das diesmal auch zwei Bandauftreten würden. Aber was da genau auf uns zu kam wussten noch wir nicht. Am Nachmittag füllte sich das Zelt und der Marktplatz so dermaßen, das es keinen cm. mehr an Luft gab. Alle wollten den Altkanzler sehen. Wir waren startklar und dann kamen die Oberen der SPD mit dicker Limousine und Leibwächter. Wir bekommen noch einen VIP Ausweis damit wir uns überall frei bewegen konnten. Einige SPD Politiker hielten ihre Rede, die aber so an mir vorbeigingen. Dann kam der kleine große Williy Brandt auf die Bühne und ich war für die Micro Einstellungen Verantwortlich. Alles eingestellt und schnell runter von der Bühne. Herr Brandt begann also mit seiner emotionalen und Körper betonnten Rede und das aber richtig. Da die Bühne nur billig zusammen geschustert war und sich alles bei jedem Schritt bewegte, vibrierte die ganze Bühne bei dem Auftritt von Herr Brand und deswegen weil er dabei rumsprang wie ein Rumpelstilzchen. Emotionen pur und das was er sagte meinte er auch. Er hüppte und trampellte also und bei den ganzen Schwingungen  rutschte so langsam ohne das ich es merkte, das Micro immer weiter runter. Irgendwie bekam mein Chief der ca. 20 Meter entfernt von mir am Mischpult stand, einen Blickkontakt mit mir und ich merkte da stimmt etwas nicht. Ich hatte mich in der Zwischenzeit mehr dem weiblichen Publikum zugewandt. Ich sah sofort das dass Micro schon so ca. 10 cm heruntergerutscht war und Herr Brandt sich auch schon bücken musste was das herumspringen natürlich massiv erschwerte. Ich also schnell auf die Bühne und das Micro wieder richtig eingestellt.

Ein Mitarbeiter von Willy Brand meinte ich solle gleich auf der Bühne bleiben um auch schnell reagieren zu können. Somit verbrachte ich den Rest der Rede unter dem Redner Pult und hoffte das Herr Brandt nicht daneben treten würde. Nach der Rede gab es dann ein ganz kurzes Danke und ein, ein Sekunden Lächeln von Willy Brandt an mich. Halleluja.

 

 

Kapitel 6b.

Die Schweden kommen.

 

Für uns gab es bis zum Abend erst einmal eine Pause. Am Abend sollte dann noch eine Rockband aus Schweden auftreten. Organisiert von den Jusos gab es einen Jugendaustausch mit den Schweden und somit wurde dann auch die schwedische Rockband eingeladen. Gott sei Dank waren die großen Politiker der SPD schon lange davon gefahren, denn was da jetzt auf uns zu kam kann sich kaum jemand vorstellen und den jungen SPD Mitgliedern war das glaube ich auch nicht bewusst. Ich kann gar nicht sagen wir man den härtesten und schnellsten Hart Rock damals bezeichnete. Die Schweden legten also los, und sie legten wirklich los. Dagegen war AC / DC vergleichbar mit Heintje.

Da zu noch ein unverständlicher Text und ein Rhythmus war auch irgendwie nicht zu erkennen. Das Zelt leerte sich so schnell wie es sich gefüllt hatte. Super dachte ich. Feierabend. Wir bauten also unserer ganze Technik wieder ab, gingen was Essen und übernachteten in unserem LKW. Am nächsten Tag ging es zurück in die Heimat nach Bremen. Bürgermeister Hans Koschnick wurde in Bremen mit Eiern beworfen. Ich war dabei. So ging es dann noch einige Zeit weiter. Event hier und Event da.

 

Kapitel 7.

Disco Skyline in Delmenhorst

 

Michael war inzwischen als DJ in Disco Skyline in der Delmenhorster Innenstadt angefangen. Das Skyline war damals schon echt eine Hausnummer unter den Diskotheken. Das Skyline hatte damals eine beleuchtete Tanzfläche wie die Disco Odyssey 2001 in Brooklyn aus dem Film Saturday Night Fever. Hier war damals Jacky Barkow der Geschäftsführer und somit bekam Michael auch Kontakt in Richtung Infinity. Michael legte noch in diversen weiteren Clubs auf und ich war auch noch einige Zeit für PB Box tätig.

Kapitel 8.

Der Weg ins INFINITY

 

Irgendwie hatte Michael dann Jeff kennen gelernt und Jeff hatte uns in sein Tonstudio damals noch in Ganderkesee eingeladen. Bombe dachte ich, wir waren einfach begeistert. Jeff erwähnte das man irgendwann im Infinity ein neues Team benötigte und ob wir Interesse hätten. Es kam zu unserem ersten Bewerbungsgespräch. Dieses fand in den heilige Räumen im Keller statt. Das erste Gespräch führten wir mit Chris Zacher. Chris hatte Michael schon irgendwann mal als DJ gesehen und war eigentlich ganz angetan. Aber Chris teilte uns auch mit das es noch nicht so weit war und er uns noch etwas jung fand. Man wollte aber in Kontakt bleiben. Kurze Zeit später kam ein Anruf und Michael bekam das Angebot im Pipeline in Bremerhaven auflegen zu können. Joachim Sommerfeld hatte mit einem Partner die Disco Pipeline in Bremerhaven eröffnet und Michael legte kurzfristig und notgedrungen bei der Eröffnung mit auf. Ich zog nach der Eröffnung wie immer mit, konnte mich an der Lichtanlage üben und durfte hin und wieder mal auflegen. Das Pipeline im Horner Bahnhof war eigentlich ein ganz geiler Funk Laden. Damals waren hier noch viele Amerikaner stationiert und die liebten den Soul und den Funk. 

 

Ich kann auch heute überhaupt nicht mehr genau sagen wie lange wir hier tätig waren, aber lange war es nicht. Denn auf einmal an einem Abend kam ein Anruf aus dem Infinity und man orderte uns zu einem Probeabend nach Emtinghausen. Es rückte also der gewisse Abend immer Näher und damit stieg auch die Nervosität. Michael legte zwei Stunden auf und ich übernahm das Licht. Danach lösten uns Jeff und Wolfi wieder ab. Von da aus ging es wieder nach unten ins Büro und Axel Emmermann teile uns mit: Super gemacht, ihr seit sofort eingestellt und müsst ab nächstes Wochenende schon auflegen.  Unser Vorgänger sollte sich wohl schon verabschiedet haben. ?????

So ihr Lieben. Und was bedeutete das für mich, für uns. Ziel erreicht. Wir waren im Infinity und das war damals schon etwas richtig besonderes, da es ja von solchen riesen Läden auch nur sehr wenig gab. Es war wie ein Hauptgewinn und es war ja auch die richtig gute Zeit vom Infinity.

 

 

Kapitel 9.

DJ und LJ im INFINITY

 

Man kann eigentlich sagen das wir durch unsere Erfahrung im Disco Bereich schon einen großen Vorteil hatten. Wir konnten somit auf jede Musikrichtung einsteigen und hatten das INFINITY auch relativ schnell im Griff. Begonnen haben wir aber mit dem Sonntag. Unser Vorgänger Claus der den Sonntag eigentlich so mit diesem speziellen Sound wie sich viele, viele Gäste und auch bis in die 90er Jahre erinnern können ins Leben gerufen hatte. Wir hatte diesen mit ca. gefühlten 500 Gästen und auch nur im unteren Bereich dann übernommen. Nun kam uns auch unsere Aladin Zeit zugute und dadurch das wir auch viele Aladin Klassiker auf Tape hatten, konnten wir immer weiter den speziellen Sound hier einbringen und der Sonntag wurde langsam auch immer voller. Inzwischen waren wir auch Freitags und am Samstag Abend tätig. Das Team bestand damals aus DJ Jeff, Michael und Wolfi und mir. Durch Urlaub und auch private Termine tauschten wir auch hin und her und jeder arbeitete mit jedem. Der Freitag und der Samstag war damals immer proppenvoll und der Sonntag machte sich so langsam. …………………………………….

 

 

 

 

 

Geht bald weiter..........